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  • Josef Vogt

Wasser

Wasser ist Leben, wer kennt diesen Spruch nicht? Jeder Mensch braucht etwa 5 Liter Wasser pro Tag zum Überleben, wenn er noch weitere 20 Liter für die Hygiene dazubekommt, ist das komfortabel. In Deutschland verbraucht jeder Mensch (lt. Statista) im Schnitt etwa 127 Liter pro Tag. Das steht ihm überall, in jedem Haushalt und in bester Qualität zu Verfügung. Wasser ist in Deutschland das am meisten kontrollierte Lebensmittel, für den Verbrauch gibt es keine Einschränkungen, ein Liter Wasser aus dem Hahn kostet in Deutschland ca. 0,5 Eurocent.

In Tansania ist die Situation anders. In der Region um den Kilimanjaro gibt es gutes Quellwasser, abgefüllt in PET-Flaschen wird es praktisch im ganzen Land vertrieben, Kosten pro Liter 1000 TSH (ca. 0,37 Euro). Wer sich solches Wasser als Trinkwasser leisten kann ist gut dran, für die Hygiene muss es ja kein Trinkwasser sein. Gehen wir von einer 5-köpfigen Familie aus, dann sind es 25 Liter pro Tag also 25.000 TSH (ca.10 Euro). Es versteht sich von selber, dass nur wenige sich das leisten können, der durchschnittliche Monatslohn liegt bei ca. 180 Euro.

Eine weitere Möglichkeit Trinkwasser zu gewinnen, sind Tiefbrunnen, die bis 100 Meter tiefgebohrt werden. Das ist teuer und erfordert genaue geologische Kenntnisse, oft ist der Salzgehalt zu hoch und damit die Quelle unbrauchbar. Die einfachste Lösung wäre Regenwasser, wenn man es denn speichern könnte.

Durch den Klimawandel haben sich saisonale und regionale Unterschiede in den Regenzeiten ergeben, sie sind unberechenbarer geworden. Trotzdem gibt es nach wie vor die heftigen tropischen Regenfälle, wo in kurzer Zeit große Wassermengen herunterkommen. Solches Wasser zum allgemeinen Verbrauch zu speichern, ist ein erstrebenswertes Ziel. Insbesondere bei größeren Dachflächen ist es sinnvoll Zisternen anzulegen und Regenwasser zu speichern.

Sr. Karin, geb. 1941 in Freiburg, ist Tierärztin und lebt seit 40 Jahren in Tansania. Dreißig Jahre zog sie mit den Massai durch die Steppe und behandelte Mensch und Tier, dann gab es eine Zäsur. Ein Mitbruder der bisher Wasserzisternen baute verstarb plötzlich, was für ihren Konvent ein großes Problem war. Kurzerhand übernahm sie dessen Aufgaben, samt seinem Bautrupp und baut nun seit zehn Jahren Wasserzisternen mit einem besonderen Verfahren, preisgünstig und mit hoher Qualität. Für die Stiftung Josef Vogt hat sie bisher neun Zisternen gebaut, zwei weitere sind im Bau.

Diese Betonbehälter haben einen Inhalt von 40 m³ und sind voll im Boden versenkt, mit betoniertem Deckel, die Kosten liegen bei ca. 7000 Euro je Behälter. Das Wasser bleibt kühl, hat für die Eingeborenen Trinkwasserqualität und wird auch für die Tröpfchenbewässerung von Obst und Gemüse verwendet. In der Regel werden Kirchen und sonstige größere Gebäude angeschlossen, in Kicheba wo wir drei Schulgebäude mit Dächern ausgestattet haben, sind zwei Zisternen in Bau, zwei weitere geplant.

Damit wird im Projekt Kicheba der nächste Schritt, nämlich die Anlage eines Schulgartens möglich. Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe haben dann die Möglichkeit nicht nur Gemüse anzubauen, sondern auch dessen Konservierung zu erlernen. Die Sekundarschule in Kicheba ist weiterhin im Focus unserer Bemühungen, auch um im Lebensmittel- und Hauswirtschaftlichen Bereich so etwas wie ein Leuchtturmprojekt zu werden.

Neben dem Projekt „Schule Kicheba“ gibt es im Nachbardorf Kibanda eine Initiative von Frauen, die Seifen und kosmetische Produkte herstellen und in der nächsten größeren Stadt vertreiben. Die Stiftung hat dieses Projekt begleitet und den Start Up mit 5000 Euro finanziert, es ermöglicht einen kleinen Wirtschaftskreislauf zu generieren und Wertschöpfung in das Dorf zu bringen.

Ein weiteres wichtiges Anliegen der Stiftung ist die Ausbildung von jungen Menschen in handwerklichen Berufen. Nachdem bereits drei Schüler eine zweijährige Ausbildung als Elektriker, Mechaniker und Hauswirtschaft in einer Fachschule mit Internat in Tanga absolviert haben, sind nun weitere vier SchülerInnen in dieser Schule. Ein Absolvent des ersten Kurses bereitet sich nun auf das Studium der Elektrotechnik vor. Neben den Schul- und Internatskosten wird von der Stiftung auch persönlicher Bedarf finanziert, da dieses vom Elternhaus nicht geleistet werden kann.

Das ganze Engagement der Stiftung ist nur möglich, weil großzügige Spenderinnen und Spender dies ermöglichen und somit eine nachhaltige Basis für die Finanzierung bilden. Es ist uns ein Anliegen, an dieser Stelle zu danken und auch den Dank der Menschen die von den Spenden betroffen sind, weiter zu geben. Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft mit ihrem Großmut rechnen können.

Vergelt´s Gott für alles.


PS.: Im August war ein Besuch in Tansania geplant, musste jedoch wegen der Pandemie abgesagt werden. Nun soll Ende Dezember ein neuer Anlauf gewagt werden, hoffentlich ist es möglich.



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