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  • Josef Vogt

Besuchsbericht Tansania vom 1. – 12.11.2022

Der Besuch diente der Begleitung und Überprüfung der laufenden Projekte, sowie neu anstehender Maßnahmen. Dies alles steht unter dem Vorbehalt der Generierung von entsprechenden Finanzmitteln, angesichts der Unwägbarkeiten des Ukraine-Krieges und der damit verbundenen Teuerung, sowohl in Europa als auch in Tansania. Energie und Lebensmittel sind in Tansania um ein Drittel gestiegen, dazu kommt, dass oft noch teures Wasser wegen mangelnder Niederschläge gekauft werden muss.


Die Wassersituation hat sich weiterhin verschlechtert, die sogenannte „kleine Regenzeit“ im Oktober ist dieses Jahr ganz ausgeblieben. Auch tiefwurzelnde (Obst) Bäume sterben ab. Die extreme Trockenheit im Süd Sudan, in Somalia und Äthiopien strahlt auch nach Kenia und Tansania aus. Selbst für die Herstellung der Zementblocks für den Hausbau, muss das Wasser aus anderen Regionen herbeigekarrt werden. Das kleine Flusskraftwerk am Pangani steht wegen Wassermangel. In Dar es Salaam gibt es derzeit in allen Stadtteilen periodisch Wasserabschaltungen. Brauchwasser kostet per 10 Liter 1000 TSH (0.5 €), die Leute müssen es für die Toiletten und die Hygiene kaufen.


neue Zisterne in Michungwani

Die Projekte im Einzelnen:

  • Die Pfarrei Hale baut in Michungwani (Aussenstation mit 800 Katholiken) einen Kindergarten zu der bestehenden Kirche. Die dazugehörige Wasserzisterne wurde von der Stiftung finanziert, die Fertigstellung des Kindergartens wird ebenfalls finanziell begleitet. Kindergärten werden von der Pfarrei als eine Art „Vorschule“ betrieben, was den Kindern den Start in die Schule erheblich erleichtert.

  • Das Projekt „Secondary School Kicheba“ geht langsam seinem Abschluss entgegen. Diese Schule mit über 350 Schülern ist in staatlicher Trägerschaft, existiert jedoch am untersten Limit. Die Stiftung hat zunächst Toiletten gebaut und eine Solaranlage errichtet um die Gebäude mit Strom zu versorgen. Drei „Klassenräume“ im Rohbau und ohne Dach wurden teilweise fertiggestellt und für den Unterricht eingerichtet. Weiterhin wurden zwei Zisterne gebaut um Wasser für Gartenprojekte vorzuhalten. Das sogenannte „Gardening“ soll ein Schwerpunkt dieser Schule werden. Erfreulicherweise haben bereits 35 Schüler der Abgangsklasse in der Fachschule Veta in Tanga die Aufnahmeprüfung bestanden und werden in verschiedenen Berufen ausgebildet.

  • Im Ort Kibanda wurden zwei Schwerpunkte gesetzt. Zunächst war es der Bau von zwei Wasserzisternen und einer Leitung zu dem 1,6 km entfernten Tiefbrunnen, samt Dieselpumpe. Die Anlage gewährt eine sichere Wasserversorgung für diesen Ort mit 1300 Einwohnern und einem großen Viehbestand. Der zweite Schwerpunkt war die Finanzierung eines Start Up für die Herstellung und den Vertrieb von Seifen und kosmetischen Produkten, der von den Frauen des Ortes generiert wurde. In diesem Fall ist noch eine weitere Begleitung notwendig.

  • Die Förderung der „Secondary School Kicheba“ entspricht dem Gedanken, dass der Abschluss einer Sekundar Schule die Grundvoraussetzung für alle weiterführenden Schulen ist. Leider ist dies in Tansania nicht Standard und kostet Schulgeld, was den Kreis der Teilnehmer einschränkt. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist dies gravierend. Die Schule Kicheba setzt hier einen Schwerpunkt in einem schwer zugänglichen Gebiet und bietet über 350 Schülern eine Chance.


Die Stiftung unterhält eine Reihe von Stipendien für Fachschüler und Studenten. Dies wird auch in Zukunft ein Schwerpunkt bleiben.

Ein besonderes Projekt war die Durchführung eines hauswirtschaftlichen Kurses für 120 Schülerinnen und Schüler der Secondary School. In dieser „House keeping“ genannten Schulung werden Grundlagen der Hauswirtschaft vermittelt. Die Organisation lag bei Frau Shamsa Danga von der Frauenorganisation DIWO, finanziert durch die Stiftung. Eine ganze Reihe von selbst hergestellten Marmeladen, Gemüsen und anderen Lebensmitteln belegten die Qualität der Schulung. Dies entspricht exakt dem Ziel dieser Schulförderung, selbst erzeugte Lebensmittel haltbar zu verarbeiten und damit Wertschöpfung zu generieren. Die Schule hat genügend Gelände und durch die zwei Zisternen nun auch genügend Wasser um dies künftig zu einem Schwerpunkt zu machen. Beeindruckt hat auch das engagierte Lehrerkollegium.


Der Umgang und die Speicherung von Wasser werden immer mehr zu einem künftigen strategischen Ziel. Sowohl in der Bevorratung als auch in der Anwendung von Wasser müssen neue Wege gefunden werden, da dies in Teilen der Erde überlebenswichtig ist. Ein Tropenregen, der nur einige Stunden anhält und über den Boden schießt, verpufft nutzlos. Eine Bewässerung mit „Wasserwerfern“ ist wenig effektiv, da ein großer Teil verdunstet bevor er an die Wurzeln kommt. Zum wiederholten Mal muss hier auf Forschungen der Israelis hingewiesen werden, die in der Wüste (Sde Boker) erstaunliche Ergebnisse erzielt haben. Es wäre ein erstrebenswertes Ziel, junge Menschen diesbezüglich in „Farming“ auszubilden.


Eine effektive Arbeit der Stiftung ist nur möglich, wenn das „Netzwerk vor Ort“ in Takt ist.

Pfarrer Thomas Msagati und sein Team im Pfarrhaus von Hale sind gewissermaßen das „Basislager“ der Aktivitäten der Stiftung. Hier hat sich ein jahrzehntelanges Vertrauen gebildet, hier ist die Sach- und Personenkenntnis die unabdingbar für Projekte sind, hier ist auch der Ausgangspunkt der meisten Aktivitäten.

Sr. Karin Kraus mit ihrem Team hat für die Stiftung bisher über zwölf Zisternen gebaut, ständig sind neue im Bau. Trotz ihrer 80 Jahre, ist sie mit dem Land Rover unterwegs und organisiert Sand, Zement und Stahl für die Baustellen. Solange sie diesen Job noch macht, wird die Stiftung weiter Zisternen bauen. Wie es dann weiter geht, wird man sehen.

Frau Shamsa Danga von der Frauenorganisation „DIWA“ in Dar es Salaam, hat einen wesentlichen Beitrag zum Start Up in Kibanda und in der Schule in Kicheba geleistet. Die Organisation von Material und Schulungen, die Präsenz in Medien und ihren positiven Einfluss „von Frau zu Frau“ in den Projekten ist eine große Hilfe.


Die derzeitige Situation in vielen Ländern Afrikas, sowohl in wirtschaftlicher als auch in klimatischer Hinsicht, macht zunehmend „Überlebensstrategien“ notwendig. Die Situation ist wesentlich angespannter als in Europa bekannt, da der Wassermangel langsam flächendeckend wird. Es ist durchaus möglich, dass auch in der Stiftung andere Prioritäten gesetzt werden müssen, wenn Menschen durch Nahrungs- und Wassermangel in direkte Not gelangen. Konkret bedeutet dies, dass auch Geld für den Kauf von Wasser und Lebensmittel zu Verfügung gestellt wird.

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