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Reisebericht 2026

Autorenbild: Niklas Vogt
Niklas Vogt
12. Sept.
5 Min. Lesezeit

Teilnehmer der Stiftung: Nils & Niklas Vogt

Teilnehmer vor Ort: Thomas Msagati, Felix Francis, James Kabossa


Vom 23. Juli bis 07. August waren wir auch in diesem Jahr wieder in Tansania zu Besuch. Die Reise führte uns von Mkata über Hale und die verschiedenen VETA-Schulen der Region Tanga bis nach Daressalam. Dabei konnten wir bestehende Projekte besuchen, mit unseren Partnern vor Ort sprechen und gemeinsam überlegen, wie wir unsere Arbeit langfristig weiterentwickeln können.

Im Mittelpunkt unserer diesjährigen Reise standen zwei Bereiche, die für die zukünftige Arbeit der Stiftung eine besondere Bedeutung haben. Die Weiterentwicklung des Schulgartens an der Kicheba Secondary School gemeinsam mit Sustainable Agriculture Tanzania (SAT) sowie unser wachsendes Stipendienprogramm an den VETA-Berufsschulen sowie an Universitäten und Secondary Schools.

Beide Projekte verfolgen dabei das Ziel jungen Menschen Wissen und Fähigkeiten mitzugeben, mit denen sie ihre Zukunft möglichst selbstständig gestalten können.


Kicheba Secondary School

Ein besonderer Tag unserer Reise war der Besuch der Kicheba Secondary School. In den vergangenen Jahren konnten wir dort bereits verschiedene Projekte umsetzen. In diesem Jahr stand vor allem der Schulgarten im Mittelpunkt.

Gemeinsam mit der Direktorin, dem Konrektor und den für den Schulgarten verantwortlichen Lehrkräften der Secondary School Kicheba sowie dem Projektmanager unseres neuen Projektpartners Sustainable Agriculture Tanzania (SAT) besichtigten wir den aktuellen Stand des Gartens und besprachen die nächsten Schritte.




Beim Rundgang wurde deutlich, was sich hier seit unserem letzten Besuch in 2025 entwickelt hat. Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wachsen inzwischen zahlreiche lokale Obst- und Gemüsesorten. Darunter Mangos, Zitrusfrüchte, Guaven, Granatäpfel, Cassava, Kürbis, Paprika, verschiedene Kohlsorten und weitere Nutzpflanzen. Auch der gesamte Zaun des Schulgartens wurde mit Setzlingen bepflanzt, die in Zukunft den Zaun begrünen sollen.

Bei dem Schulgartenprojekt geht es langfristig jedoch um mehr als nur den Anbau von Lebensmitteln in der Schule. Das gemeinsame Ziel der Schule, SAT und der Stiftung ist es, aus dem Schulgarten einen praktischen Lernort zu machen. Schülerinnen und Schüler sollen hier erleben können, was sie zuvor im Unterricht gelernt haben. Themen aus Biologie und Chemie können dadurch nicht nur theoretisch behandelt, sondern unmittelbar in der Natur beobachtet und ausprobiert werden. Der Garten soll zu einem „Outdoor-Klassenzimmer“ werden. Ein Teil des Unterrichts wird zunächst im Klassenraum stattfinden und anschließend direkt im Garten fortgesetzt werden. Bodenbeschaffenheit, Pflanzenwachstum, Kompostierung, biologische Schädlingsbekämpfung oder verschiedene Anbaumethoden werden dadurch greifbar. 



Zusammenarbeit mit Sustainable Agriculture Tanzania

Eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Projekts ist die Zusammenarbeit mit Sustainable Agriculture Tanzania (SAT).

SAT verfügt über umfangreiche Erfahrung in nachhaltiger und agrarökologischer Landwirtschaft und begleitet das Projekt fachlich vor Ort. Lehrerinnen und Lehrer der Kicheba Secondary School wurden bereits in verschiedenen landwirtschaftlichen Methoden im Trainingscenter von SAT geschult. In den kommenden Monaten sollen weitere Workshops folgen. Gleichzeitig wird ein sogenanntes Garden Committee aufgebaut, das Lehrerinnen, Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler stärker in die Organisation des Gartens einbindet, um das Projekt langfristig aufrechtzuerhalten. 

Auch die Bewässerung spielt eine wichtige Rolle. Installiert wurde ein Drip-Irrigation-System in Kombination mit einem großen SIM-Tank, bei dem Wasser gezielt an die Wurzeln der Pflanzen geleitet wird. Gerade in einer Region, in der Wasser eine wertvolle Ressource ist, kann dadurch deutlich effizienter bewässert werden. 

SAT besucht die Schule monatlich mindestens einmal, um die Entwicklung zu begleiten und gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort weitere Schritte umzusetzen.

Für uns ist dabei besonders wichtig, dass das Projekt nicht dauerhaft von externer Unterstützung abhängig bleibt. Die Zusammenarbeit mit SAT soll vor allem Wissen vermitteln und Strukturen schaffen. Langfristig sollen die geschulten Lehrerinnen und Lehrer den Garten selbstständig weiterführen und ihr Wissen an neue Generationen von Schülerinnen und Schülern weitergeben. Wenn junge Menschen lernen, wie Lebensmittel nachhaltig angebaut werden können, nehmen sie dieses Wissen nicht nur für die Schulzeit mit, sondern können es später in ihren Familien und Gemeinden weitergeben. Der Schulgarten soll deshalb nicht nur der Schule, sondern indirekt langfristig auch der umliegenden Gemeinschaft zugutekommen. Genau darin sehen wir den nachhaltigen Wert des Projekts.


Stipendienprogramm: Besuch bei den VETA-Schulen

Ein zweiter Schwerpunkt unserer Reise war das Stipendienprogramm, in dem mittlerweile 73 Stipendiatinnen und Stipendiaten in Ihrer Bildung unterstützt werden. Drei Viertel davon befinden sich in VETA Schulen.

An einem Tag besuchten wir nacheinander die VETA-Schulen in Korogwe, Tanga und Mkinga. VETA steht für Vocational Education and Training Authority. Die Einrichtungen sind mit Berufsschulen vergleichbar und ermöglichen jungen Menschen eine praxisorientierte Ausbildung in verschiedenen Berufsfeldern.

Für viele Jugendliche ist eine solche Ausbildung eine wichtige Möglichkeit, nach der Secondary School einen konkreten Beruf zu erlernen und damit eine Grundlage für ein eigenes Einkommen zu schaffen. Uns ist es wichtig, die Stipendiatinnen und Stipendiaten nicht nur über Listen oder Berichte zu kennen. Deshalb versuchen wir bei unseren Aufenthalten in Tansania möglichst viele von ihnen persönlich zu treffen. Die Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern gehören jedes Jahr zu den wertvollsten Momenten unserer Reise. Wir konnten erfahren, wie es ihnen an den Schulen geht, was gut funktioniert und an welchen Stellen sie Herausforderungen ausgesetzt sind und Unterstützung benötigen. Gleichzeitig trafen wir die jeweiligen Schulleitungen und konnten unsere Zusammenarbeit weiter vertiefen.



Gerade die persönlichen Gespräche haben uns gezeigt, dass ein Stipendium nicht einfach nur aus der Zahlung der Schulgebühren besteht. Viele kleinere Dinge entscheiden darüber, ob eine Ausbildung wirklich erfolgreich absolviert werden kann. So wurde beispielsweise deutlich, dass teils direkt zu Beginn der Ausbildung essenzielle Werkzeuge zur Verfügung stehen sollten. Auch zusätzliche Ausgaben für Sicherheitsschuhe, Gürtel oder andere vorgeschriebene Ausstattung müssen zukünftig noch genauer berücksichtigt werden. Mit Beginn des zweiten Ausbildungsjahres kommen für manche Schülerinnen und Schüler außerdem Praktika hinzu. Dadurch können zusätzliche Kosten für Transport oder Unterkunft entstehen. Solches Feedback ist für uns besonders wichtig. Unser Ziel ist nicht lediglich, möglichst viele Stipendien zu vergeben, sondern ein Programm aufzubauen, das die tatsächlichen Bedürfnisse der Jugendlichen berücksichtigt. 

Auch innerhalb der Gruppe möchten wir künftig mehr Austausch schaffen. Stipendiatinnen und Stipendiaten aus dem ersten und zweiten Ausbildungsjahr sollen sich kennenlernen und gegenseitig unterstützen können. So soll nach und nach eine kleine Gemeinschaft entstehen, in der Erfahrungen weitergegeben werden und ältere Stipendiatinnen und Stipendiaten den jüngeren helfen können.



Zusammenarbeit mit VETA

Sehr interessant war auch unser Gespräch mit der Leitung der VETA-Schule in Mkinga. Gemeinsam haben wir darüber gesprochen, wie die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und den VETA-Strukturen langfristig noch besser organisiert werden kann. Das ist besonders deshalb relevant, weil die Ausbildungsplätze an den Schulen begrenzt sind. Eine frühzeitige Anmeldung neuer Stipendiatinnen und Stipendiaten ist daher entscheidend. Regelmäßige Besuche und Gespräche von Vertretern der Stiftung wie Felix Franics oder James Kabossa sollen sicherstellen, dass Probleme früh erkannt werden und wir besser verstehen, wie sich die einzelnen Stipendiatinnen und Stipendiaten entwickeln.


Education Trust Fund

Auch organisatorisch konnten wir während der Reise einen wichtigen Schritt machen. Am 31. Juli wurde der „Hale Education Trust Fund“ eröffnet. Über dieses lokale Konto soll die Abwicklung des Stipendienprogramms vor Ort zukünftig deutlich einfacher werden.




Weitere Stationen unseres Besuchs

Neben den beiden Schwerpunkten besuchten wir auch weitere Projekte.

Unsere Reise begann in Mkata, wo uns Father James Kabossa empfing. James ist einer der Ansprechpartner für die Vergabe von Stipendien. Auch wurde seine Pfarrei in der Vergangenheit beim Neubau der Kirche und des Pfarrhauses unterstützt. Er hat uns die Region in Mkata gezeigt. Unter anderem besuchten wir eine Secondary School mit rund 500 Schülerinnen und Schülern. Dort wurde erneut sichtbar, unter welchen Bedingungen Bildung teilweise stattfinden muss: Es fehlen Schulbänke und eine zuverlässige Wasserversorgung. In der Region wird Wasser hauptsächlich aus einem See geholt, wobei es insbesondere gegen Ende der Trockenzeit zu Engpässen kommen kann.



In Michungwani besuchten wir den Kindergarten, der durch Stiftungsgelder fertiggestellt werden soll und besprachen gemeinsam mit Father Thomas Msagati weitere laufende Projekte in Hale. Auch unsere bestehenden Infrastrukturprojekte wie die Solaranlagen, Wasserpumpen, Brunnen und landwirtschaftliche Maschinen wurden überprüft und notwendige Reparaturen beziehungsweise Erweiterungen besprochen. Nicht jedes Projekt funktioniert dauerhaft ohne Probleme. Gerade deshalb sind diese regelmäßigen Besuche für uns wichtig. Sie zeigen uns, wo Wartung notwendig ist, wo Strukturen verbessert werden müssen und welche Projekte langfristig selbstständig funktionieren.


Die vielen Gespräche dieser Reise haben uns erneut gezeigt, warum Bildung einen so wichtigen Teil unserer Stiftungsarbeit ausmacht. Mit dem Schulgarten in Kicheba und dem weiteren Ausbau unseres Stipendienprogramms möchten wir langfristige Strukturen schaffen, die jungen Menschen Wissen, Perspektiven und die Möglichkeit geben, ihre Zukunft selbstständig zu gestalten.



 
 
 

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