Besuch in Hale/Tansania vom 22. Juli – 2. August 2019

Dieser Besuch diente dazu, begonnene Projekte weiter zu begleiten, zeitliche Abläufe zu klären und die Lieferung der Solaranlage und der landwirtschaftlichen Maschinen vorzubereiten.
 

Projekt  Kibanda:

Ausführlich wurde mit Sr. Karin der Bauablauf in Kibanda besprochen. Stand jetzt ist, dass die zweite Zisterne kurz vor der Fertigstellung ist. Gleichzeitig werden vom Team von Sr. Karin die Fundamente und die Bodenplatte für ein Gemeinschaftsgebäude erstellt. Später kann dann von örtlichen Baufirmen das Gebäude erstellt werden. Lt. Aussage Kibanda ist von der Molkerei „Tanga fresh“ geplant, künftig eine Milchsammelstelle in Kibanda ein zu richten. Der von uns gelieferte Milchkühler ist angeschlossen und funktioniert.

Der Tiefbrunnen wurde verschlossen und das Gelände eingeebnet. Da bei starkem Regen der Wasserspiegel steigt, hat man die Pumpe höher gesetzt. Dieselpumpe ist in einwandfreiem Zustand, die Betriebszeiten werden festgehalten. Solarpumpe funktioniert ebenfalls. Die Wasserbehälter waren alle gefüllt. Man möchte den Bereich um den Tiefbrunnen mit einem Zaun absichern.

Insgesamt macht das Dorf nach wie vor einen guten Eindruck. Die Leute sind motoviert, die Felder sind gepflegt, der Mais steht sehr gut. Die Straßenanbindung ist das Problem, im Moment sehe ich keine Lösung, eine Zusage behördlicherseits liegt (noch) nicht vor. Ich habe darum gebeten, wenigstens die Dorfstraße in Ordnung zu bringen, man hat versprochen bis im Herbst das zu realisieren.

In dieser Sache ist die NGO zu träge.  Ich hätte erwartet, dass jemand vor Ort ist und erklärt warum immer noch keine Informationen über den Straßenbau vorliegen. Bevor hier nicht alles geklärt ist, wird kein Geld mehr über die NGO fließen.

 

 Hale

Die Solaranlage wird im September geliefert, die Montage der 6 Paneele und des zugehörigen Equipments wird auf dem Dach des ehemaligen Schwesternhauses erfolgen. Bei der näheren Betrachtung musste ich feststellen, dass das Wellblechdach verrostet und löchrig ist, neue Paneele auf dieses Dach zu montieren macht keinen Sinn. Wir versuchten eine Kostenschätzung für neue Bleche zu erstellen und haben das Dach vermessen. (380 m³) Die Anfrage bei einem Händler in Korogwe ergab einen Gesamtpreis für das Material von Euro 3.200,- Es handelt sich um Trapezprofile aus beschichtetem Aluminium. Die Stiftung kann die Kosten übernehmen, das Material wurde bestellt und soll baldmöglichst montiert werden.

 

Charles hat die Werkstatt, die Garage und den Container sauber aufgeräumt und in Ordnung gehalten. Eine Menge Schrott muss noch abtransportiert werden. Charles hält auch den Kontakt zu Kibanda, hat die Bodenfräße repariert und hilft beim „Gartenprojekt“.

Der neue Traktor, der Pflug und die Scheibenegge werden im Oktober geliefert. Es ist vereinbart, dass der Traktor auch in Kibanda eingesetzt wird. Sie haben dort recht große Felder, vor allem mit Mais. Charles wird das organisieren und den Traktor auch fahren. Überhaupt wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen Hale und Kibanda besprochen, z. B. bei der Maismühle und der Ölmühle. In der landwirtschaftlichen Produktion hat Kibanda deutlich mehr Know How.

 

Tanga

Besuch der Veta-Schule, eine Fachschule (Internat) mit 2-jähriger handwerklicher Ausbildung. Drei Schüler die von der Stiftung gesponsert wurden sind derzeit im Praktikum und  machen in diesem Jahr den Abschluss. Besonders erfreulich war, dass Felix als Automechaniker jahrgansbester wurde.

Von der Stiftung wurden sechs weitere Schüler für 2020/21 angemeldet. Diese müssen noch eine  Aufnahmeprüfung machen, wir gehen davon aus, dass mindestens vier diese bestehen und aufgenommen werden. Vorgesehen sind Maurer-, Zimmerer-, und Installateur Ausbildungen.


 

Lesotho  

Die von uns mit dem Container mitgebrachte Kombi-Schreinermaschine steht in der Nähe des Montessori-Centers in Lushotho. Charles, Laura und ich sind am Morgen nach Lushotho gefahren, dort trafen wir Padre Max, der mit uns zum Standort der Maschine fuhr.

Ein sogenannter „Fundi“, also ein „Fachmann“ (in diesem Fall Schreiner) sollte in den Gebrauch der Maschine eingewiesen werden. Das versuchte ich auch so gut es ging, das Problem war, dass mindestens 20 Leute ebenfalls „Fundis“ waren und vor lauter Geschnatter man das eigene Wort nicht mehr verstand. Ich hoffe, dass der Mann die Maschine beherrscht wenn er alleine ist. Die richtigen Fragen hat er jedenfalls gestellt und am Ende ein Brett gehobelt.

Nach diesem Akt ging es zurück nach Montessori, wo wir zum Essen eingeladen waren. Die Klosterküchen sind meistens doch die besten, außerdem hatten sie eine hervorragende Orangenmarmelade. Laura uns ich haben spontan einige Gläser gekauft. So etwas stelle ich mir für Kibanda vor, wenn die Orangen tonnenweise verfaulen. In Montessori können sie es.

 

Dar es Salaam

In DAR traf ich mich mit Stefan Eichenberger. Seien Frau arbeitet als Ärztin am Krankenhaus von Ifakara, er  hat eine Marktstudie über die Kochgewohnheiten in Tansania gemacht und die Herstellung von Pellets zu Kochzwecken untersucht und auch 20 to für Probezwecke hergestellt. Grundstoff waren Sägemehl und Reisspelzen, wovon große Mengen zu Verfügung stehen, aber auch andere Biomassen wie z.B. Maisstroh sind geeignet.

Die Pellets sollen in einem speziell entwickelten Kocher (mit kleinem Lüfter) eingesetzt werden. Dieser ist sehr energieeffizient und produziert wenig Rauchgas. In einem Feldversuch sollen nun 100 Kocher und die 20 to Pellets getestet werden. Wenn dieser Versuch erfolgreich ist, stünde die Produktion von größeren Mengen Pellets an, die allerding Investitionen von ca. € 100.000 erfordern. Dafür würde dann ein Konsortium gesucht, das die Finanzierung übernimmt.

Grundsätzlich sehe ich in diesem Projekt eine sinnvolle Sache, da in Tansania Holz und Holzkohle immer noch der Hauptenergieträger für das Kochen ist.  Das ist ökologisch höchst bedenklich, da  neben der CO2 Problematik auch die Bodenerosion fortschreitet. Hier müssen neue Wege gesucht werden, welche Technik sich am Ende durchsetzt ist spannend. Auch in der Solartechnik gibt es noch ein großes Entwicklungspotential.

Ich werde die Sache weiter beobachten.

  Hale/Tansania, 2. August 2019

   Josef Vogt


 

Zehn Tage Tansania
Oktober 2018

„Gott gab den Weißen die Uhr und den Schwarzen die Zeit“, dieses Sprichwort aus Afrika hat uns wieder einmal eingeholt. Mein Bruder Rolf, mein Schwager Manfred, mein Neffe Alexander und meine Wenigkeit wollten in einem Dorf in der Region Tanga in Tansania eine Wasserleitung in Betrieb nehmen; ein Projekt das seit Februar diesen Jahres vorbereitet wurde. So die deutsche Denke, die afrikanische ist etwas anders.

Dass der Container, samt Dieselpumpe und dem ganzen Equipment, schon drei Wochen vor Ort sein sollte, aber erst nach unserem Heimflug aus Tansania tatsächlich ankam, war höhere Gewalt. Das Containerschiff stand weit draußen auf dem Meer in der Warteschlange, in Dar es Salaam gibt es zu wenig Entladeterminals. Für uns ärgerlich, aber nicht zu ändern.

Vor Ort angekommen stellten wir fest, dass der Graben für die 1,5 km lange Leitung zwar ausgehoben war, das Rohr selbst jedoch, das seit drei Monaten bereit lag, noch nicht verlegt war. Für uns Gelegenheit die Verlegung zu überwachen und die Leute anzuleiten. Der Tiefbrunnen selbst stand durch die starken Niederschläge der vergangenen Monate unter Wasser, damit hatten wir auch nicht gerechnet. Somit war das gesetzte Ziel, die neu gebaute Zisterne in diesem Dorf mit Wasser zu füllen, zunächst nicht zu erreichen. Die Frauen aus Kibanda müssen das Wasser weiterhin mit dem Eimer auf dem Kopf 1,5 km tragen. Wir werden das Projekt im Januar zu Ende bringen.

 

Umsonst war das alles trotzdem nicht, denn es gab ja noch eine zweite „Baustelle“ in Hale für die wir uns nun ausreichend Zeit nehmen konnten. Fast eine ganze Woche lang arbeiteten wir am Traktor, zogen neue Reifen auf und brachten sonst einiges in Ordnung. Das war auch notwendig. Father Thomas ist mit fast 7000 Katholiken in 20 Aussenstationen als Pfarrer total überlastet; es ist unmöglich, dass er sich auch noch um andere Dinge kümmern kann. Wir diskutierten ausführlich darüber, wie wir seine Situation verbessern können.

 

Wieder einmal mussten wir feststellen, dass Hilfe nur dann einen Sinn macht, wenn man sie auch langfristig begleitet und immer wieder vor Ort ist. Es braucht einen langen Atem, auch von denen die uns finanziell unterstützen. Es ist aber auch ein befriedigendes Gefühl Menschen zu helfen, denen das Lebensnotwendige zu knapp bemessen ist. Dazu gehören sauberes Wasser und landestypische Nahrungsmittel in ausreichender Menge.

 

Dürfen wir weiterhin auf Ihre Unterstützung hoffen?  

IBAN: DE94 6845 2290 0077 0793 41,   BIC:  SKHRDE 6 WXXX

 

Mit herzlichem  Dank für Ihre Großzügigkeit

Josef Vogt                                                        

Projekt Kibanda

Kibanda ist ein Eingeborenendorf nahe der Stadt Muheza in der Region Tanga. Obwohl Luftlinie kaum 10 KM von einer Durchgangsstraße entfernt, ist das Dorf nur über einen „Karrenweg“ erreichbar und das nur mit einem Motorrad oder einem Allradfahrzeug. In der Regenzeit kann die Verbindung ganz wegfallen.

Das Dorf hat ca. 1300 Einwohner und eine 50 köpfige Herde des afrikanischen Höckerrindes, ebenso eine kleine Ziegenherde. Mais, Sonnenblumen und diverse Früchte bilden die Nahrungsgrundlage, Einkommensmöglichkeiten gibt es praktisch keine.

Die Menschen leben zumeist in einfachen Lehmhütten, es gibt einige wenige Steinhäuser, allesamt ohne Wasseranschluss, wenige mit Stromanschluss der jedoch nur zeitweise funktioniert. Das Dorf selbst hat einen Kindergarten, die Primarschule ist im Nachbarort, Sekundarschule gibt es in Muheza, für die wenigsten erreichbar.

 

Im Februar 2018 besuchten wir das Dorf mit dem Ziel, bei der Konservierung von Früchten, die zur Erntezeit in großen Mengen anfallen und dann oft verfaulen, Lösungen zu suchen, die vor Ort praktikabel sind. Dabei mussten wir feststellen, dass das größere Problem die Wasserversorgung ist. Die Dorfältesten baten uns um Hilfe.

Zwar gibt es eine Wasserleitung an die mehrere Dörfer angeschlossen sind, diese funktioniert jedoch nur in der Regenzeit und da Kibanda am Ende der Leitung liegt, geht es oft leer aus. Eine weitere Wasserquelle ist ein Tiefbrunnen, der 1,5 km vom Ort entfernt liegt. Die meiste Zeit wird das Wasser von dort mit Eimern und Kanistern geholt, auch für das Vieh. Die „Wasserbeschaffung“ ist ein großes Problem in Kibanda, das hauptsächlich auf den Schultern der Frauen lastet.

 

Wir haben die Quelle untersuchen lassen, dabei wurde festgestellt, dass das Wasser in Ordnung ist. Damit war die Möglichkeit gegeben, das Projekt zu planen. Zunächst sollte eine unterirdische Zisterne gebaut werden, als Sammelbehälter für Regenwasser und Wasser aus dem Tiefbrunnen. Danach ist eine Wasserleitung von der Quelle zur Zisterne zu errichten, zuletzt wäre dann eine Dieselpumpe aus Deutschland zu installieren.

 

Die Zisterne mit 40 m³ Inhalt wurde von einem Team der Missionsstation Handeni gebaut, die darin große Erfahrung hat. Das Kunststoffrohr samt Fittings wurde in Tansania beschafft. Der Rohrgraben war Eigenleistung der Dorfbewohner, die Dieselpumpe samt dem gesamten Werkzeug und Zubehör wurde in Deutschland beschafft und per Container verschifft.

 

Die Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 40.000 Euro. Aus Mitteln des Bundesministeriums wurde ein Zuschuss von 10.000 Euro bewilligt, der Rest wird von der Stiftung getragen. Die Finanzierung dieses Projekts ist zum größten Teil gesichert. Das ursprüngliche Vorhaben jedoch, die Konservierung von Früchten, hängt von weiteren Spenden ab.

 

Da aber der Container 3 Wochen in Verzug war, konnten wir das Projekt nicht fertigstellen. Es ist jedoch alles vorbereitet um in Januar die Restarbeiten zu erledigen und die Pumpe in Betrieb zu nehmen. Der Container ist mittlerweile vor Ort.

 

Es gehört zu den Problemen solcher Projekte, dass Planung und Organisation das eine ist, Unvorhergesehenes auf das man keinen Einfluss hat, das andere. Transporte müssen langfristig terminiert sein, Flüge müssen ebenfalls aus Kostengründen frühzeitig gebucht werden und wenn es am Ende nicht zusammenpasst ist das ärgerlich, insbesondere da die Reisekosten ja privat getragen werden. Trotzdem gingen wir mit einem sehr guten Gefühl aus Kibanda weg, die Menschen waren glücklich als sie sahen, dass wir Wort gehalten haben und wiedergekommen sind.

 

Wir dürfen allen Sponsoren den Dank der Menschen von Kibanda weitergeben und freuen uns, wenn am Dorfplatz das Wasser in ausreichender Menge zu Verfügung steht.

 

Josef Vogt